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Alltag im Vinzibett Logo

Das Donnerstag Team

Jeden Donnerstag um 17.30 eilt Kathi in die Ottakringer Straße 20, ins Vinzibett, heute hat sie gerade einige Prüfungen auf der Uni hinter sich gebracht, und ihre Zeit ist knapp.

Beim Eintritt stellt sie mit Freude fest, dass alles sauber und ordentlich ist. Schnell verschafft sie sich einen Überblick über die Ereignisse der letzten Woche, stellt fest, ob es ein freies Bett gibt und öffnet die elektronisch Gästeliste und Bettenspiegel, um dann die Gäste, von denen schon einige vor der Tür warten, einzulassen. Mehrere Taschen mit Sachspenden bringt sie in den Sammelraum, damit dann Brigitte am Sonntag die Spenden durchsehen und sortieren kann.

Einen Gast bittet sie, seine schwere Taschen zu öffnen, und entnimmt dann einen Liter Wein, da sich in dieser 2 Liter befinden, und die Mitnahme von nur einem Liter erlaubt ist. Eine ernste Verwarnung an den Gast, dann darf dieser weiter. WC-Papier, Taschentücher, Zahnpasten und Rasierer gibt sie auf Bitte einiger Gäste aus, ein Gast der um frische Bettwäsche bittet, wird ebenfalls versorgt.

Anfragen wegen freier Betten muss Kathi negativ bescheiden, auch einen Mann, der persönlich um einen Schlafplatz anfragt. Sie kontaktiert noch telefonisch die anderen Einrichtungen für Obdachlose, und findet auch einen anderen Schlafplatz, wo sie diesen Gast dann hinschickt.

Den Hausbeitrag, den einige Gäste täglich bezahlen, verbucht sie im PC und rechnet dann am Ende ihres Dienstes, um 22 Uhr, ab. Gleichzeitig mit Kathi kommt auch Martina, die gemeinsam mit einem Hausgast das Abendessenl zubereiten wird. Martina ist schon lange dabei, und kochte jeden Donnerstag. Sowohl beim Kochen, Austeilen und Aufräumen kommt Martina ziemlich ins Schwitzen, denn diese Aufgabe ist wirklich anstrengend.

Zwischendurch geht Kathi in den Essraum, wo Martina gerade das Essen verteilt und hungrige Männer ungeduldig in der Schlange stehen. Aber bald werden alle satt sein. Kathi macht auch einen Blick in die Schlafräume, insbesondere ins Zimmer 106 wo ein kranker Gast wohnt. Sie erkundigt sich nach seinem Befinden, bittet seine Mitbewohner, ihm einen großen Krug Saft zu bringen und geht weiter.

Mit Freude stellt sie fest, dass die Zimmer einigermaßen sauber sind, und lobt auch einige Gäste, die gerade dabei sind, mit Staubsauger und Wischer ihren Schlafraum zu reinigen. Auch auf Zimmer 102 schaut sie nach, ob ein Gast schon geduscht ist, und seine Kleidung zum Waschen im Wäschekorb ist. Sie überpfüt noch, ob seine kranken Beine ordntlich verbunden sind. Den Schmutzwäschekorb nimmt sie dann mit, und legt die Wäsche in die Waschmaschine. Später wird Gabriella, ein Hausgast, diese zum Trocknen aufhängen und am nächsten Tag wieder ins Zimmer 102 bringen.

Um etwa 21.30 kommt Günther. Er macht heute den Nachtdienst. Günther hat das Vinzibett über die Ehrenamtsmesse im Vorjahr entdeckt und ist seither wöchentlich dabei. Günther ist schon über 70 Jahre, aber er will unbedingt etwas tun, um zu helfen, aber auch um sich einer Herausforderung zu stellen. Denn Günther weiß aus Erfahrung: Da kann einiges los sei.

Zunächst plaudert er mit Kathi, die ihm erzählt, was alles vorgefallen ist und worauf er achten muss. Um 22 Uhr sperrt er die Eingangstür. Günther macht eine Runde im Haus, setzt sich zu einigen Gästen, plaudert mit ihnen. Er schaut, dass am Buffet noch genug Saft und auch Brot und Aufstrich ist, versorgt dann das übrige Geschirr in den Spüler in der Küche und schaut nach, was es morgen zum Frühstück geben wird.

An diesem Abend ist alles ruhig. Günther ist froh, hatte er doch schon mehrere Streitereien zu schlichten, einen Gast ins Krankenhaus bringen lassen und dem nicht genug, kam auch die Kripo um nach einer bestimmten Person zu fragen, die Gott sei gedankt im Vinzibett nicht bekannt ist.

Um 24 Uhr macht Günther seine letzte Runde, achtet darauf, dass die TV-Geräte abgedreht sind und schickt einige Unentwegte ins Bett, denn nun sind die Aufenthaltsräume zu verlassen. Nun richtet sich Günther sein Bett im Büro, legt sich das Telefon bereit und darf jetzt bis zum Morgen ausruhen. Um 6.30 läutet der Wecker, Günther geht in die Küche, wo er das Frühstück zubereitet. Alle Lebensmittel, die vorbereitet sind, richtet er zu einem Büffet zusammen, schneidet Brot, einige Jungzwiebel und auch einige Tomaten sind zum Verteilen da. Schinken und Käse landen auf Tellern. Tee wird vorbereitet und das Büffet um 7 Uhr eröffnet. Hier warten schon einige hungrige Gäste, laden sich ihren Teller mit dem Angebotenen und gehen auf ihre Sitzplätze, wo nun überall ein leises Murmeln zu hören ist.

Nun achtet Günther noch darauf, dass alle, die das Haus verlassen müssen, bereits aus den Betten sind, überprüft noch, ob alle Putzdienste bereit sind, sperrt alles zu und geht jetzt zu seiner Tarokrunde, die ihn ebenfalls jeden Donnerstag geistig fit hält.

Nun beginnt reges Treiben im Haus. Jetzt sind die Hausgäste am Werk: Die Putzdienste im 1. und zweiten Stock nehmen emsig ihre Tätigkeit auf und reinigen die beiden Aufenthaltsräume gründlich, Piciu kehrt die Stiegen, Karl reinigt die Aschenbecher, Gabriella bereitet das Abendessen für den nächsten Kochdienst vor, Nasib reinigt den Eingangsbereich und holt dann vom nahen Bäcker Mehlspeisen ab. Georg und Jazek versorgen den Müll, Pjotr tauscht eine kaputte Röhre aus und Marek weiß, dass eine Tür repariert werden soll. Alle tragen dazu bei, dass ihr zu Hause ordentlich und sauber ist, und sie sich wohlfühlen können. Franz und Abdelatif warten auf die Lieferungen der Wiener, der Österreich Tafel und des Vinzimarktes und versorgen sie. Einige Gäste haben Erledigungen, andere versuchen Arbeit zu finden.

Wenn Hedi, die Hausleiterin kommt um nach dem Rechten zu sehen, dann freut sie sich, dass sie in diesem Haus mit diesen Menschen sein darf. Und sie wünscht sich, dass auch die Unterstützung von außen, ohne die die Einrichtung nicht überlebensfähig wäre, weiterhin anhalten möge.